DREI FRAGEN AN: DAVID TAKAMURA

1. Was verbinden Sie ganz allgemein mit ‚Romantik‘?

2. Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrem aktuellen Forschungsvorhaben? Wie setzen Sie sich in Ihrem Forschungsprojekt mit dem Phänomen ‚Romantik‘ auseinander?

Im Moment beschäftige ich mich mit Beispielen von Einsiedlern und Askese in der Romantik. Wir wissen, dass die Romantik einen Raum für das freie Spiel des Subjekts schafft. Meine Frage wäre jedoch, wie sich das gesellschaftliche Leben unter der Androhung einer extremen Subjektivität, des Egoismus, verändert. Erkennt die Romantik bzw. diese Androhung seinen eigenen Narzissmus? Inwiefern können wir romantisches Lob für das Ich als eine Art von Ironie, also tatsächlich gegen das Ich lesen? So eine Befragung bereitet den Weg für die romantische Anerkennung des Fremden, wie auch einen romantischen Widerstand gegen seine eigne Ausgelassenheit. Fortschritte in der Romantikforschung werden immer gemacht, um die Romantik als etwas antifoundational, immanent und postmodern vorzustellen. Wäre das Ziel einer solchen Arbeit nicht ein unproduktiver Nihilismus? In den vielen Paradoxen der Romantik findet sich schon ein Keim dafür.

3. Im Graduiertenkolleg „Modell Romantik“ wird davon ausgegangen, dass die Romantik modellbildende Qualitäten aufweist. Können Sie etwas damit anfangen?

Weil meine Forschung spätere Figuren der Romantik ins Spiel bringt, muss ich mich fragen, inwiefern wir sie wirklich Romantiker nennen können. Zum Beispiel Arthur Schopenhauer, der vielleicht am wichtigsten für mich ist. Es ist offensichtlich, dass Schopenhauer selbst die Romantik als Modell benutzt hat, und es gibt nicht wenige Beispiele aus seinen Werken, an welchen man den Einfluss Schellings oder der Brüder Schlegel sehen kann (um nicht gar über seine typischen romantischen Würdigungen von Shakespeare, Goethe und dem Orient zu sprechen). Jeder, der sein Werk liest, weiß, wie Schopenhauer sein Bild der Wahrheit aus übereinstimmenden Figuren und vermeintlichen Tatsachen schafft. Die Stärke einer Modelltheorie liegt in ihrer Kraft, solche Einflüsse zu verfolgen. Sie ist notwendig, um sie nachzuvollziehen und umso wichtiger, weil die Romantiker, wie Schopenhauer, selbst Meister der Assimilation und Intertextualität waren. Wie romantische Ideen verkörpert, verkehrt oder angehimmelt werden ist natürlich ein Teil der Forschung, den ich als wichtig erachte.

Vom 07.06.-04.07.2019 war David Takamura (University of North Carolina) zu Gast am Graduiertenkolleg „Modell Romantik“.