Martin Ehrler

Dienstadresse

Martin Ehrler, M.A.
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 104 a
07743 Jena
martin.ehrleruni-jena.de
+49 (0) 3641 9 44194

Curriculum Vitae

Martin Ehrler (geb. 1989) studierte von 2008 bis 2012 Germanistik und Skandinavistik an der Universität Greifswald. Von 2012 bis 2014 absolvierte er an der Universität Leipzig den Masterstudiengang der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Von 2015 bis 2018 tätig als wissenschaftlicher Mitarbeiter innerhalb des durch die VolkswagenStiftung geförderten Projekts „Experimentierfeld Dorf“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit Oktober 2018 ist er Kollegiat des Graduiertenkollegs „Modell Romantik“.

Dissertationsprojekt

Nicht-Landschaften. Beginn und Ende eines ästhetischen Modells

Landschaften bilden seit ihrer massiven Aufwertung im Zuge ästhetischer und philosophischer Modernisierungsbestrebungen um 1800 relevante und prominente Bestandteile der Kunstproduktion und Rezeption.
Die sich bis heute weitgehend aus diesem ikonischen Reservoir der Romantik speisenden Bilder und Imaginationen von Landschaft und damit einhergehende Deutungsmuster stoßen jedoch zunehmend an Grenzen, wenn sie auf Ausprägungen des Landschaftlichen angewandt werden, die oftmals als hybrid, provisorisch oder gemeinhin postmodern bezeichnet werden. Die mittlerweile über mehr als zwei Jahrhunderte etablierten und nur geringfügig modifizierten Seh- und Abbildungstraditionen prägen nach wie vor Urteile über Landschaften und deren Imaginationen und sorgen gerade auch durch ihre vermeintliche Beständigkeit und kulturgeschichtliche Kontinuität für ein aufkommendes Problembewusstsein im Umgang mit anthropogenen Landschaften, die sich nur noch teilweise nach den tradierten formalen Kategorien als Landschaften zu erkennen geben.
Bereits um 1800 rückte die wahrnehmbare Störung des Mensch-Natur-Verhältnisses Landschaft als ästhetische Kategorie ins Zentrum bildnerischer, aber auch literarischer und musikalischer Kompositionen. Das subversive Potential der in der klassischen Gattungshierarchie eher randständigen Kategorie barg dabei einen idealen Aushandlungsort romantischer Distinktionsbestrebungen auf den Feldern von Theorie und Praxis.
Die Frage danach, inwiefern ein stark von romantischen Ideen geprägter Landschaftsbegriff an sein Ende gekommen zu sein scheint, ist aktueller denn je, und wurde und wird stark diskutiert. Gerade im Hinblick auf massiv bearbeitetes und überformtes anthropogenes Land sollte die Frage zulässig sein, ob es sich dabei überhaupt noch – in einem ästhetischen Sinne – um Landschaften handelt, oder ob sie nicht besser als Nicht-Landschaften klassifiziert werden sollten.
Ziel der Arbeit ist es demnach weniger, das klassische ästhetische Verständnis von Landschaft angesichts des stark veränderten Objektbereichs in Frage zu stellen, sondern vielmehr anhand dieser (immer noch gültigen) Deutungsmuster den Blick auf einen sich immer weiter ausbreitenden Typ des Landschaftlichen zu richten. Dabei soll deutlich werden, dass gerade in den Ästhetisierungen postmoderner Landschaften verstärkt auf kunstphilosophische romantische Ideale zurückgegriffen wird und diese in ihrer nur noch modifizierten Anwendbarkeit erst das Problematische dieser Landschaften offenlegen. Die Ästhetisierungspraktiken auch modernerer Medien rücken dabei den schon in der Romantik ausgefochtenen Diskurs um Abbildbarkeit und Kunstwürdigkeit von Landschaften in der Hinwendung zu Nicht-Landschaften neu in den Fokus.

Forschungsinteressen

Ästhetik der Landschaft und des Landschaftlichen, Literarische Topographien der Leere, Schreibweisen und Methoden der Autobiographie und Autofiktion, Literatur und Kunst der DDR

Publikationen

HERAUSGEBERSCHAFT

  • (zus. mit Marc Weiland) Topografische Leerstellen. Ästhetisierungen verschwindender und verschwundener Dörfer und Landschaften, Bielefeld 2018.

AUFSÄTZE

  • Leere Landschaften. Grenzfälle kultureller Deutungen von Landschaften in Literatur und Kunst, in: Martin Ehrler/Marc Weiland (Hg.): Topografische Leerstellen. Ästhetisierungen verschwindender und verschwundener Dörfer und Landschaften, Bielefeld 2018, S. 119-142.
  • Der Dichter erscheint im Anthropozän. Friedrich von Hardenberg und Wolfgang Hilbig, in: Norman Kasper/Gert Theile (Hg.): Asozialität und Aura. Wolfgang Hilbig und die Romantik, Paderborn 2017, S. 145-168.