Luisa Turczynski

Dienstadresse

Luisa Turczynski
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 107
07743 Jena
luisa.turczynskiuni-jena.de
Tel. +49 (0) 3641 9 44195

Curriculum Vitae

Luisa Turczynski (geb. 1991) studierte seit 2011 die Fächer Deutsch und Englisch auf Lehramt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Während ihres Studiums war sie in beiden Fachbereichen als Tutorin tätig. Außerdem war sie als studentische Hilfskraft in Dr. Claudia Hillebrandts Habilitationsprojekt „Das Gedicht im Ohr“ engagiert und beteiligte sich von 2014 bis 2016 ehrenamtlich an der studentisch organisierten Poetikdozentur „Jenaer Lyrikgespräch“.
2017 absolvierte sie das Erste Staatsexamen und war anschließend als wissenschaftliche Hilfskraft im Gleichstellungsbüro der FSU Jena beschäftigt. Im Anschluss arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für germanistische Literaturwissenschaft und am Institut für Anglistik und Amerikanistik der FSU Jena. Seit Oktober 2018 ist sie Kollegiatin des Graduiertenkollegs „Modell Romantik“.

Dissertationsprojekt

(Re-)Imagining Nature, Gender, and Sexuality in American Romanticism and Beyond

Die Bewegung des American Romanticism ist untrennbar mit der Genese eines wirkmächtigen Mythos verknüpft: der Selbst-Stilisierung Amerikas als Nature’s Nation. Im Zuge der westwärts gerichteten Expansion und intellektueller Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber Europa verschmolz in zeitgenössischen Diskursen die Glorifizierung weiter, unberührter Landschaft mit der Herausbildung eines Nationalbewusstseins. Wildnis ist in ihrer konstitutiven Bedeutung für den amerikanischen Nationalcharakter als kulturelles Konstrukt zu verstehen.

Ökofeministische und queer-ökologische Theorien hinterfragen eine solche kulturelle Konstruiertheit und Funktionalisierung vermeintlich neutraler Naturkonzepte. Eine Grundannahme dieser Theorien ist, dass Natur als empirische Realität menschlichen Interessen untergeordnet wird. Die Dichotomie von Kultur und Natur sei außerdem konzeptuell mit den hierarchischen Dualismen Mann/Frau und Heterosexualität/Homosexualität verknüpft und festige entsprechende gesellschaftliche Machtverhältnisse. Der literarische Kanon romantischer Wildnis-Narrative wird hinsichtlich seiner Etablierung dieser common logic of domination kritisch gelesen. Zugleich bedienen sich ökofeministische und queer-ökologische Autor*innen fortwährend bestimmter Darstellungsmuster dieses Kanons.

Ausgehend von diesen Überlegungen lautet die Arbeitshypothese meines Projektes: Geschlechts- und sexualitätsspezifische Darstellungsmuster romantischer Wildnis-Narrative wirken modellbildend für literarische Naturdarstellungen (proto-)ökofeministischer und queer-ökologischer Werke des frühen 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Im Fokus steht die Frage, inwieweit kanonisierte Texte des Nature Writing und der Frontier-Literatur ein Darstellungsmodell für Fortschreibungen, Ausdifferenzierungen und Subversionen romantischer Beschreibungsmuster liefern.

Es liegen bereits Untersuchungen zu den Verbindungen romantischer und proto-ökofeministischer Naturbeschreibung vor. Der Forschungsstand wird jedoch von einer ideologisierenden Kontrastierung anthropozentrischer Autoren der amerikanischen Romantik und ökozentrisch orientierter Schriftstellerinnen des frühen 20. Jahrhunderts dominiert. Das Befundmaterial solcher Lesarten werde ich zu einem theoretischen Modell verdichten, das der Analyse ausgewählter Gegenwartsliteratur als Vergleichsgrundlage dient. Die Entwicklung eines integrativen Ansatzes, der Modelltheorie und Literaturkritik kombiniert, reagiert auf zwei Desiderate, die sich in der Forschungsliteratur der beiden Felder abzeichnen:

  1. Systematisierung ökofeministischer und queer-ökologischer Literaturkritik, innerhalb welcher ideologische Fragen häufig stärker diskutiert werden als methodologische
  2. Literaturanalytische Applikation des modelltheoretischen Ansatzes, dessen Anwendbarkeit auf literarische Phänomene bisher hauptsächlich theoretisch postuliert wurde

Forschungsinteressen

Amerikanischer Transzendentalismus; Nature Writing; Ökokritik; Ökofeminismus und Queere Ökologie

Publikationen

TAGUNGSBERICHTE

Vorträge

  • From Otherization to Identification? Re-Modeling the Romantic Self-Nature-Relation in (Proto-) Ecofeminist and Queer-Ecological Writings. [Internationaler Workshop: Ecocritical Life Writing in the Dystopic Present, Augsburg, 05.-06.12.2019]