Daniel Neumann

Dienstadresse

Daniel Neumann, M.A.
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 110
07743 Jena
d.neumannuni-jena.de
Tel. +49 (0) 3641 9 44198

Curriculum Vitae

Daniel Neumann (geb. 1989) studierte von 2010 bis 2014 den Bachelorstudiengang Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2014 bis 2017 absolvierte er den Masterstudiengang Komparatistik ebenfalls an der LMU München. Während seines Studiums war er als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft für Prof. Robert Stockhammer und Prof. Judith Kasper tätig. Seit Oktober 2018 ist er Kollegiat des Graduiertenkollegs „Modell Romantik“.

Dissertationsprojekt

Die Pariser Frühromantik 1964-1986

Der Gemeinschaftsbegriff darf zu den schillerndsten Begriffen der Geistes- und Sozialgeschichte gezählt werden, der durch die gnadenlose Überfrachtung mit Sinnzuschreibungen beständige Redefinitionen herausfordert. Zweifellos waren es die Protagonisten der Romantik, die für eine Popularisierung eines Denkens der Gemeinschaft einstehen; schlussendlich handelt es sich dabei vor allem um einen Versuch, auf die bittere Wirklichkeit der Erfahrung der Moderne zu antworten. Zwar wird die romantische Gemeinschaft von Anfang an als Opposition zu der neuzeitlichen Gesellschaft gedacht, doch soll sie explizit keinen Gegenpol zum Individuum bilden, sondern wird primär als dessen Entfaltungsraum entwickelt. Ziel der romantischen Gemeinschaft ist nicht die Kontrolle und Regulation, sondern die Kultivierung von Autonomie und Einzigartigkeit eines jeden Individuums. Daher werden Gemeinschaften oft selbst als Individuen gedacht und vorgestellt. Sobald das Individuum jedoch konsequent in das Zentrum der Theoriebildung gerückt wird – und dies ist in der Romantik erstmals der Fall – wird eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Dimensionen menschlicher Kontingenz unumgänglich: Nicht ohne Grund werden die (früh-)romantischen Reflexionen als Entdeckungen des Unbewussten avant la lettre und Erfinder einer neuartigen, für die Moderne wegweisenden Auffassung und Theorie von Sprache diskutiert. Durch die Einsicht in den kontingenten Charakter der Großindividuen Volk, Nation und Gemeinschaft, neigt die romantische Denkungsart dazu, sich einer höheren Ebene der Einheitsverbürgung zuzuwenden, als es die Gemeinschaft sein kann. Damit schrecken die Denker der historischen Romantik vor der letzten Konsequenz – vor der eigentlich modernen Alternative – zurück, um an deren Stelle schlussendlich bei Kategorien und Instanzen der Vergangenheit Zuflucht zu suchen.

Eine Philosophie und Politik der Gemeinschaft, die der Kontingenz des modernen Subjekts nicht nur Rechnung trägt, sondern sogar eine Kontingenzforderung stellt – den romantischen Horizont radikalisiert und die inneren Widersprüche eines romantischen Gemeinschaftskonzepts nicht aufhebt, sondern herausstellt – betont, dass Gemeinschaft die innere Differenz und die nicht einholbare Besonderheit ihrer Mitglieder konstitutiv voraussetzt. Autoren wie Jacques Derrida, Jean-Luc Nancy, Jacques Rancière, Giorgio Agamben und Alain Badiou, setzen in ihren Reflexionen der Gemeinschaft auf die Differenz: Die Gemeinschaft der Gleichen beruht auf der Andersheit ihrer Mitglieder. Es bleibt eine beständige, unendliche Aufgabe, das Gemeinschaftsdenken von identitätspolitischen Implikationen zu lösen und auf eine Anerkennung der Differenz hin zu öffnen. Das Projekt will romantische Gemeinschaftsdiskurse durchschreiten, um sie für das Verständnis und die Genese der jüngsten Philosophie/Politik der Gemeinschaft anschließbar zu machen. Zwar werden moderne Dezentrierungsdynamiken im Kontext der weltkonstituierenden Leistung von Subjektivität und Sprache von der historischen Romantik mitvollzogen, jedoch verteidigen sie das Bedürfnis nach der Welt als sinnvoller Ganzheit. Aktuelle Gemeinschaftsreflexionen gehen über den romantischen Horizont hinaus, jedoch – so die These – aktualisieren sie ein romantisches Modell, indem sie an den Problemhorizont anschließen, sich jedoch dem holistischen Ballast entledigen.

Forschungsinteressen

Literaturtheorie, Französische Philosophie des 20. Jahrhunderts, (Neo)Marxismus, Theorie und Poetik der Gemeinschaft, Romantik, Literatur und Politik

Publikationen

AUFSÄTZE

  • Dokumentarliteratur Revisited. Arbeiterliteratur als Reiseberichte einer unterschlagenen Wirklichkeit zwischen normativer und dialektischer Öffentlichkeitstheorie- und praxis, in: Vid Stevanović/Elisa Purschke/Maria Fixemer/Christiane Schäfer (Hg.): Literatur und Arbeit, Berlin 2018, S. 113-126.
  • ‚Die Zeit. Sie ist kein Strom. Sie ist ein Meer‘ – Streifzüge im tiefen Gewässer einer uralten Metapher, in: #4 Strom [kon]. Magazin für Literatur und Kultur , 4/2017, 10-11.
  • Das Unsagbare schreiben. Mystische Erfahrungen bei Franz Kafka, Robert Musil und Gamal al Ghitani, in: Blätter Abrahams. Beiträge zum interreligiösen Dialog, hg. v. Stefan Jakob Wimmer u. Georg Gafus, Heft 16/2016, S. 29-52.

Vorträge

  • ‚The rich are different from you and me.‘- ‚Yes, they have more money.‘ oder: Taugt der Begriff ‚Klassismus‘ zum Klassenkampf? [Workshop: Marx lesen mit Marx lesen. Marx als Kampfplatz, Schauplatz, Arbeitsplatz, LMU München, Oktober 2018]
  • Superhelden, Popkultur und Politik – Zur Poetologie Dietmar Daths [Studierendenkongress der Germanistik ‚Neue Helden‘, LMU München, November 2017]
  • Spiegel ohne Stanniol – Derridas Dekonstruktion der Spiegelmetapher auf dem Prüfstand [Jahrestagung der Gesellschaft für Dialektische Philosophie 2016, Universität Wien, April 2016]
  • Dokumentarliteratur Revisited. Arbeiterliteratur als Reiseberichte einer unterschlagenen Wirklichkeit zwischen normativer und dialektischer Öffentlichkeitstheorie- und praxis [Studierendenkongress der Komparatistik 2016 ‚Literatur und Arbeit‘, LMU München, Juni 2016]
  • Philosophische Reflexion und politische Strategie – philosophische Strategie und politische Reflexion: Klassenkampf bei Antonio Gramsci [Vortrag auf Einladung von Prof. Dr. Judith Kasper im Rahmen des Seminars ‚Gramscis Gefängnishefte‘, LMU München, Juli 2016]
  • Die mystische Erfahrung: Das Unsagbare schreiben [Einführungsvortrag zur Semesterreihe ‚Mystik in den monotheistischen Religionen‘, Münchner Lehrhaus der Religionen, LMU München, November 2016]