Christian Kamleiter

Dienstadresse

Christian Kamleiter, Dipl.-Theol.
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 109
07743 Jena
christian.kamleiteruni-jena.de
Tel. +49 (0) 3641 9 45578

Curriculum Vitae

Christian Kamleiter (geb. 1989) studierte von 2008 bis 2015 evangelische Theologie in Neuendettelsau, São Leopoldo (Brasilien) und Berlin. Während des Studiums war er Mitglied des AStA der Augustana-Hochschule Neuendettelsau (2010), sowie als Studentische Hilfskraft beim ökumenischen Zentrum Mission EineWelt tätig (2015-16). Nach dem Ersten Theologischen Examen der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) absolvierte er sein Vikariat in Lauf an der Pegnitz, das er 2018 mit dem Zweiten Theologischen Examen abschloss. Seit September 2018 ist er Pfarrer im Ehrenamt der ELKB.

Dissertationsprojekt

Das Verhältnis von Subjektivität und Intersubjektivität in der Religionstheorie Rudolf Ottos

Der Theologe Rudolf Otto ist besonders für seine theologisch-religionswissenschaftliche Studie Das Heilige von 1917 bekannt. Doch auch neben seinem Hauptwerk findet sich in Ottos Schriften das zentrale Interesse, einen Religionsbegriff zu entwickeln, der eine tragfähige Grundlage für eine, den veränderten Problemstellungen der Moderne angemessene Theologie bildet. Dass Otto seit der Jahrtausendwende in der deutschsprachigen Theologie zu neuer Popularität gelangte, ist besonders der bleibenden Aktualität dieses Anliegens zuzuschreiben.

Die Arbeit geht dabei von der Beobachtung aus, dass sich in Ottos Werk Theoriebildungen zu Fragen der Mitteilbarkeit und intersubjektiven Vermittlung religiöser Erfahrung finden, die anders als seine erkenntnistheoretischen und kulturhermeneutischen Überlegungen bisher wenig Aufmerksamkeit in der Forschung erfahren haben.

Der Fokus der Arbeit ist ein doppelter: Sie wird zuerst rekonstruieren, wie Otto Religion als ein Moment der Subjektivität entwirft. Religion wurzelt für Otto in einer Erfahrung des Transzendenten, die immer im Modus des unmittelbaren Erlebens konkreter Subjekte gegeben ist. Diese Erfahrung ist damit letztlich uneinholbar für begrifflich-abstrakte Sprache. Dennoch ist für Otto die intersubjektive Verständigung über religiöse Erfahrungen konstitutiv für Religion. Der zweite Fokus der Arbeit wird daher darauf liegen, die expliziten und impliziten kommunikationstheoretischen Überlegungen in Ottos Ansatz freizulegen. Ziel ist es, darzustellen, wie für Otto einerseits die Versprachlichung des letztlich Inkommensurablen möglich ist und andererseits, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um ein Verstehen religiöser Rede zu gewährleisten. Dabei wird auch untersucht, wie sich Ottos theoretische Überlegungen in der praktischen Ausgestaltung seines Hauptwerks Das Heilige wiederfinden. Das Heilige soll somit als ein spezifischer Fall religiöser Kommunikation gelesen werden.

Bei der Erschließung von Ottos theoretischen Überlegungen und ihrer praktischen Ausgestaltung fällt auf, dass Otto dabei explizit und implizit auf Denkfiguren zurückgreift, die sich schon bei dem Theologen Friedrich Schleiermacher finden. Besonders zu dessen, durch die Berliner Frühromantik inspirierten Schrift Über die Religion – Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern lassen sich vielfältige Parallelen ziehen. Otto hat durch die Neuherausgabe dieser 1799 erschienenen Reden die sogenannte Schleiermacher-Rennaissance zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt. Ein dritter Fokus der Arbeit wird daher sein, zu untersuchen, inwiefern Ottos Theorie religiöser Kommunikation als produktive Aktualisierung eines bei Schleiermacher präfigurierten Modells zu verstehen ist.

Forschungsinteressen

Rudolf Otto; Friedrich Schleiermacher; Paul Tillich; Protestantische Theologie unter den Bedingungen der Moderne; Religion und Emotion; Theologie und menschliche Erfahrung; Theologie und Sprache

Varia

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