Annemarie Müller

Dienstadresse

Annemarie Müller, M.A.
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Graduiertenkolleg „Modell Romantik“
Bachstraße 18k | R. 106
07743 Jena
a.muelleruni-jena.de
Tel. +49 (0) 3641 9 45513

Curriculum Vitae

Annemarie Müller (geb. 1992) absolvierte von 2011 bis 2014 ein Bachelorstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena in den Fächern Volkskunde/Kulturgeschichte, Erziehungswissenschaft und Soziologie. Darauf folgte von 2014 bis 2016 ein Masterstudium der Volkskunde/Kulturgeschichte, ebenfalls an der FSU Jena. Während ihres Studiums arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft an der Forschungsbibliothek Gotha/Universität Erfurt im Projekt „Bildungslandschaft und Wissenskultur“. Nach ihrem Master-Abschluss folgten wissenschaftliche Hilfstätigkeiten im Projekt „Automatische Handschriftenerkennung“ am Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte sowie im Projekt „eeFDM“ der Kontaktstelle Forschungsdatenmanagement an der FSU Jena. Seit Oktober 2018 ist sie Kollegiatin des Graduiertenkollegs „Modell Romantik“.

Dissertationsprojekt

„Im Schlaraffenreych des Geistes“. Transnational-romantische Geselligkeit im Männerbund Schlaraffia (1859-1909)

Das Wirkungsverhältnis zwischen Transnationalität und Romantik stellt angesichts überwiegend nationalstaatlich und europäisch gebundener Romantikdiskurse ein bislang weitgehend unerforschtes Feld dar. Wie nun Transnationalität und Romantik miteinander in Verbindung treten, und sich in einem weitgehend herrschaftsfreien Vereinsraum entfalten, soll Gegenstand des geschichtswissenschaftlichen Dissertationsprojektes werden. Dazu soll das Netzwerk des 1859 in Prag gegründeten Männerbundes und Geselligkeitsvereins Schlaraffia näher untersucht werden.

Wesen des (selbst-)ironisch und satirisch orientierten Vereins Schlaraffia ist die „Pflege von Kunst, Humor und Freundschaft“. Umgesetzt werden diese Ideale in einem mittelalterlich imaginierten Rollenspiel, dass formal an eine scheinbar ritterbündische Tradition und damit an Elemente der (Spät-)Romantik aus dem 19. Jahrhundert anschließt. Der Verein bildet einen geschützten, geselligkeitskultivierenden Raum männlicher Vereinskultur, der das Individuum in seiner vor allem rhetorisch-künstlerischen Originalität und Virtuosität fordert und fördert.

Strukturell entwickelt sich der Freundschaftsbund aus einer Gruppe von etwa 23 Mitgliedern innerhalb von drei Jahrzehnten zu einem transnationalen Netzwerk, dass stets mit der Gründungsstätte in Prag verbunden bleibt.

Der Verein wird einerseits beschrieben auf der Ebene seiner Struktur und Organisation, andererseits auf der Ebene des Rituals, seines „Ritterspiels“. Die konstituierenden Elemente des Bundes sollen dargestellt und in ihren romantischen Potenzialen sowie ihrer Bedeutung für die Struktur- und Ritual-Ebene untersucht werden. Besondere Berücksichtigung wird dabei die Herausarbeitung des Geselligkeits- und Spielebegriffs erfahren, die als zentrale Elemente romantischer Denk- und Handlungsräume beschrieben werden können.

Die Arbeit geht darüber hinaus der Frage nach, wie der Verein die romantische Ironie einer sinnstiftenden Ganzheitsperspektive verarbeitet, die in der Frühromantik um 1800 erstmals umfassend aufgegriffen wird.

Die Forschungsfragen sollen methodisch gerahmt werden durch die Erprobung des Modellansatzes, wie ihn das Forschungskolleg „Modell Romantik“ erarbeitete. Ein Zugriff auf die vorangestellten Fragen wird mit der historischen Quellenanalyse des vereinsinternen Kommunikationsmediums Zeitung ab 1874 gewährt, die als Hauptquelle der Arbeit ausgewertet wird. Über die in der Zeitung zugängliche Struktur- und Ritualebene kann darüber hinaus ein Einblick in den kommunikativen Alltag des Vereins eröffnet werden.

Neben der Netzwerk- und Romantikforschung bilden auch die Geselligkeits- und Spieleforschung bürgerlicher Kultur zentrale Eckpunkte der Arbeit. Diese ermöglichen die Betrachtung von Vereinsentwurf und -praxis vor dem Hintergrund bürgerlicher Lebenswelt.

Forschungsinteressen

Vereinskultur, Netzwerkforschung, Medienforschung, Geschlechtergeschichte, Digital Humanities

Publikationen

AUFSÄTZE

  • Freundschaft auf Distanz. Kommunikation zwischen räumlich Getrennten, in: Thieme, Teresa (Hrsg.): Freundschaft! Mythos und Realität im Alltag der DDR (= Dokumentation der Städtischen Museen Jena, Bd. 28), Jena, 2015, S. 99-110.
  • Von Traktoristinnen und Kulturschaffenden. Politische Selbstdarstellung auf Postwertzeichen anlässlich der DDR-Republikgeburtstage 1959 und 1964, in: Smolarski, René / Smolarski, Pierre / Vetter-Schultheiß, Silke (Hrsg.): Gezähnte Geschichte. Die Briefmarke als historische Quelle (= Post – Wert – Zeichen, Bd. 1), Göttingen, 2018, S. 485-510.

TAGUNGSBERICHT

  • Tagungsbericht zum Fachtag Digital Humanities in Thüringen: Daten vernetzen, Ressourcen verknüpfen. Neue Herausforderungen für den digitalen Wandel (nicht nur) in Thüringen, Forschungsbibliothek Gotha/Universität Erfurt, 09. August 2018, in: H-Soz-Kult, 15.12.2018.

Vorträge

  • Von Passagierflugzeugen, Traktoristinnen und Kernreaktoren. Politische Selbstdarstellung auf Postwertzeichen am Beispiel der Jahrestage der DDR 1959 und 1964 [Tagung: Gezähnte Geschichte. Die Briefmarke als historische Quelle, Universität Erfurt, 14. Oktober 2017]
  • Von Rittern und Verlobungsanzeigen. „Der Schlaraffia Zeyttungen“ als Kommunikationsmedium des transnationalen Männerbundes Schlaraffia [Workshop und Jahrestreffen des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung e.V., Region Mitte: Neue Forschungen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena, 01. Dezember 2017]