Jacob Schmidt

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Curriculum Vitae

Jacob Schmidt (geb. 1988) studierte in einem Bachelorstudiengang von 2009 bis 2012 die Fächer Psychologie und Soziologie. Von 2012 bis 2015 belegte er ebenfalls an der FSU Jena den Masterstudiengang Gesellschaftstheorie. Während seines Studiums arbeitete er als Hilfskraft am Institut für Psychologie in verschiedenen Projekten. Von Oktober 2015 bis September 2018 war er Kollegiat des Graduiertenkollegs „Modell Romantik“. Von Oktober 2017 bis September 2018 war er Sprecher der Doktorand_innen. Im August 2019 konnte er seine Promotion mit dem Prädikat „summa cum laude“ abschließen.

jacob.c.schmidt@posteo.de

Dissertationsprojekt

Beschleunigung – Langeweile – Achtsamkeit: Eine romantische Praxis als Alternative zum rasenden Stillstand?

Ausgangspunkt der Promotion ist die Beobachtung, dass in den letzten 20 Jahren der Begriff „Achtsamkeit“ in zahlreichen Kontexten (v.a. Neurowissenschaften, Psychotherapie, Wirtschaft, Selbsthilferatgeber, Medien) hervortritt. Mit Achtsamkeit wird eine spezifische, ursprünglich im Buddhismus beheimatete, meditative Praxis beworben, in der die kontinuierliche und nicht-wertende Beobachtung des Körpers, aber auch der Sinne, Gefühle und Gedanken im Mittelpunkt steht. Ziel ist nicht nur, Stress abzumildern oder kreatives Potential anzuzapfen, sondern die Achtsamkeitspraxis soll eine ganzheitliche, lebendige und verbundene Welterfahrung hervorbringen. „Achtsamkeit“ wird hier als Alternative zur gegenwärtigen beschleunigten, rationalisierten und zerstückelten Gesellschaft in Stellung gebracht.
Die Arbeit fragt nach den romantischen Quellen dieser Selbstpraxis und nach ihrer Funktion als Widerstandsmoment einer beschleunigten Gesellschaft. Um diese Fragen beantworten zu können, wird die Beschleunigungstheorie Hartmut Rosas um den Begriff des „Wartens“ und der „Langeweile“ erweitert. Die zentrale These ist, dass Beschleunigung nicht nur eine latente, existentielle Langeweile hervorbringt, in der jedes Warten eine Qual wird, sondern dass auch gerade in der Flucht vor einer als aversiv erlebten Langeweile ein Motor der Beschleunigung selbst liegt. Diese (mögliche) Feststellung wird historisiert, indem sie auf den modernen Zeitbegriff zurückgeführt wird. Somit ist die Frage letztlich, ob sich das Subjekt durch die Praxis der Achtsamkeit in einer lebendigen statt homogen-linearen und indifferenten Zeit konstituiert.

Forschungsinteressen

Modernisierungstheorien, Zeitdiagnosen, Achtsamkeitsforschung, Zeit- und Lebensphilosophie, Selbsttechnologien, Analytische Sozialpsychologie

Publikationen

AUFSÄTZE

  • Not enough. Der Beschleunigungszwang und die Freiheit der Langeweile, in: agora42 (2018), H. 3, S. 68-73.

Varia

  • (Zs. mit Peter Braun/Caroline Rosenthal): Am Walden Pond: Auf den Spuren von Henry David Thoreau. Eine Broschüre, Jena 2017.
  • (Zs. mit Annika Bartsch): Romantik 2.0 als progressive Bewältigungsstrategie in der virtuellen Moderne. Augmented Reality als Reaktion auf die gegenwärtige romantische Sehnsucht, in: Blog Modell Romantik, 17.05.2017, URL: http://modellromantik.uni-jena.de/2777/