Romantik in der Praxis

 

Es war kein Wochenende im Romantikhotel. Mit seinen Praxispartnern aus den Bereichen Kulturmarketing, Journalistik und Museen veranstaltete des Graduiertenkolleg „Modell Romantik“ einen 2-tägigen Workshop. Die sonst so ordentlich getrennten Bereiche von wissenschaftlicher Theoriebildung und praktischer Anwendung wurden hier in ein konstruktives Gespräch gebracht. Vorsätzlich. Im Rahmen des Qualifizierungsprogrammes des Graduiertenkollegs absolvieren alle DoktorandInnen ein Praktikum um qualifizierte berufliche Perspektiven  außerhalb der Wissenschaft kennen zu lernen. Der Workshop bot den Rahmen für Kontakte. Darüber hinaus war er ein Forum für unterschiedlichste Kulturinstitutionen, die sich mit der Vermittlung von Romantik beschäftigen.

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Polyphon war die Vorstellung des Kollegs, ebenso wie die unterschiedlichen Stimmen der Projektpartner und Projektpartnerinnen.  Entsprechend vielseitig gestaltete sich der Workshop. Am Anfang stand eine dreifache Vorstellung des Kollegs. Prof. Dr. Stefan Matuschek machte an Eichendorffs „Mondnacht“ die forschungsleitenden Thesen des Kollegs deutlich. Prof. Dr. Tilman Reitz ging sehr konkret auf einige der Promotionsprojekte ein und stellte seine spezifisch soziologische Sichtweise  auf diese Thesen dar. Dr. Sandra Kerschbaumer zeigte schließlich auf, wie diese theoretischen Annahmen sich zum tatsächlichen Arbeitsleben der Kollegiatinnen und Kollegiaten in der Bachstraße verdichten. Exemplarisch kamen Annika Bartsch, Patricia Kotzauer und Alexander Stöger zu Wort, die ihre Dissertationsprojekte aus den Disziplinen der Germanistik, der Wissenschaftsgeschichte und der Geschichte skizzierten. Bereits im anschließenden Gespräch wurde deutlich, dass die hier angestellten Überlegungen zu einem möglichen „Modell Romantik“ keineswegs aus der Luft gegriffen sind, sondern sich in den konkreten Arbeiten der Projektpartnerinnen und Projektpartner wiederfinden. Das anschließende Kaffeetrinken unter den historischen Dielen des Auditoriums „zur Rosen“ führte zu einem geselligen Austausch und schuf Raum für die Poster von Hendrick Heimböckel und Raphael Stübe, die ebenfalls als Projektvorstellungen konzipiert waren.

Den Auftakt der Vorstellungen der ProjektpartnerInnen machte Frau Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken. Gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Bunzel und Dr. Mareike Hennig vertrat sie auf dem Workshop das Freie Deutsche Hochstift. In ihrem Vortrag gab sie Einblicke in den Aufbau des Deutschen Romantik-Museums, das in  unmittelbarer Nachbarschaft des ebenfalls zum Hochstift gehörigen Frankfurter Goethe Hauses im Entstehen ist. Diese unterschiedlichen inhaltlichen Aspekte gaben genug Anlass beim gemeinsamen Abendessen ins Gespräch zu kommen. Der zweite Tag führte fort, was durch die Vorstellung des Deutschen Romantik-Museums am Vortag begonnen hatte.

Wie wird „Romantik“ einem größeren Publikum vermittelt? Welches sind dabei die wesentlichen Aspekte von Romantik? Wie werden wesentliche Aspekte medial präsentiert? In einer großen Gesprächsrunde kamen die unterschiedlichsten Kulturinstitutionen mit Impulsvorträgen zu Wort und gaben ihre Antworten auf diese Fragen. Durch das Dresdner Kügelgenhaus führte Frau Dr. Michaela Hausding anhand einiger Fotos. Als einen „authentischen Ort von Romantik“ stellte Frau Anne Frechen das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf vor. Dr. Birte Frenssen lud in die Landschaften Caspar David Friedrichs ein, für dessen Werke in Greifswald als Teil des Pommerschen Landesmuseums ein eigenes  Musem gebaut wird. Die in Oberwiederstedt beheimatete Forschungsstätte für Frühromantik und das zugehörige Museum wie auch die Stiftung stellte Dr. Gabriele Rommel vor. Den abschließenden Bogen nach Jena schlugen Dr. Ulf Häder und Klaus Schwarz, die über die Arbeit der Städtischen Museen in Jena und im Romantikerhaus berichteten.

Das Programm schritt damit von der theoretischen Reflektion immer weiter zur konkreten Umsetzung dieser und anderer Theoretisierungsversuche der Romantik. Deutlich wurde in jedem Fall, dass das Romantische nicht nur begrifflich schwer zu fassen ist, sondern auch die Umsetzung und Verbildlichung dessen, was unter Romantik verstanden wird, vielgestaltig ist. Die wechselseitige Bezogenheit von Theorie und Praxis wurde bei diesem Workshop in produktiver Weise ins Gespräch gebracht, im besten Sinne „romantisch“.

verfasst von Mirjam Sauer